Judas im ETA Hoffmann Theater: Eine Verteidigungsrede gegen das vorschnelle Urteil

Event: Judas - Die Verteidigungsrede des Judas Ischariot, Walter Jens in ETA Hoffmann Theater, Studio, E.T.A.-Hoffmann-Platz 1, 96047 Bamberg on 10. November 2026

Datum und Uhrzeit

10. November 2026 20:00 Uhr

Veranstaltungsort

ETA Hoffmann Theater
E.T.A.-Hoffmann-Platz 1, 96047 Bamberg, Deutschland

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Über diese Veranstaltung

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Judas tritt aus dem Schatten der Anklage

Im Studio des ETA Hoffmann Theaters Bamberg erhält eine der widersprüchlichsten Figuren der christlich-abendländischen Überlieferung eine eigene Stimme: Judas Ischariot. Walter Jens verschiebt in seiner pointierten Verteidigungsrede die Perspektive und lässt den vermeintlichen Verräter selbst sprechen. Am 10. November 2026 beginnt um 20 Uhr ein konzentriertes Bühnenerlebnis über Schuld, Verantwortung, Ausgrenzung und die Macht historischer Deutungen.

Eine theologische Anklage wird zur Verteidigung

Judas gilt seit Jahrhunderten als der berühmteste Verräter der christlichen Kultur. Doch die Dramaturgie von Walter Jens setzt nicht bei der Verurteilung an, sondern bei der Gegenrede. Der Angeklagte erhält Raum, seine Entscheidungen mit Leidenschaft, theologischer Schärfe und schonungsloser Logik zu erläutern. Ohne Judas, so die gedankliche Zuspitzung des Textes, ließe sich der christliche Märtyrer-Mythos nicht in derselben Weise erzählen.

Die Inszenierung führt mitten in ein imaginäres Tribunal. Judas hadert, zweifelt und widerspricht. Zugleich prangert er den jahrtausendealten christlichen Antisemitismus an und stellt die Frage nach seiner eigenen Rolle im göttlichen Plan neu. Das Literaturtheater wird dadurch zum Erkenntnisraum, in dem vertraute Glaubensbilder ins Wanken geraten.

Unmittelbare Schauspielkunst im Studio

Regisseur Tim Adam und Schauspieler Marek Egert arbeiten erneut zusammen, nachdem sie bereits mit Die Welt im Rücken die Gewölbe-Bühne des Hauses geprägt haben. Marek Egert trägt den Abend als zentrale Bühnenfigur und verleiht Judas wechselnde Tonlagen: Trotz und Reue, Anklage und Verwundbarkeit, intellektuelle Klarheit und existenzielle Verzweiflung.

Die konzentrierte Studioatmosphäre richtet den Blick auf Stimme, Körper und sprachliche Präzision. Bühne und Kostüm von Anaïs Buzduga verdichten den Raum, während die Dramaturgie von Lea Mantel den Monolog als gedankliche Versuchsanordnung strukturiert. Akustik, Lichtstimmung und die Nähe zum Publikum verstärken den Eindruck einer persönlichen Verhandlung, die sich unmittelbar vor den Zuschauenden entfaltet.

Ein Plädoyer gegen das Sündenbockdenken

Judas ist nicht nur eine Neuinterpretation einer biblischen Figur, sondern ein nachdrückliches Plädoyer gegen das vorschnelle Abstempeln von Menschen und Menschengruppen. Die Inszenierung verbindet religiöse Motivgeschichte mit gesellschaftlicher Reflexion und zeigt, wie schnell aus einer Erzählung ein Urteil werden kann.

Die sprachliche Genauigkeit von Walter Jens trifft auf eine körperlich greifbare Regie und eine intensive Schauspielkunst. So entsteht Bibellektüre auf Hochspannung: ein Theaterabend, der weniger Antworten verteilt als den eigenen Blick auf Schuld, Verantwortung und historische Erinnerung schärft.

Fazit: Ein Theaterabend als offene Verhandlung

Besucherinnen und Besucher erwartet im Studio des ETA Hoffmann Theaters ein dichtes, herausforderndes Bühnenerlebnis. Tim Adams Regie, Marek Egerts Präsenz und Walter Jens präziser Text führen in einen Konflikt, der weit über die biblische Überlieferung hinausweist. Wer Theater als unmittelbare Begegnung, sprachlich kraftvolle Bühnenkunst und Ort des Denkens erleben möchte, sollte diese Aufführung live in Bamberg entdecken.

Offizielle Kanäle von ETA Hoffmann Theater:

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Quellen:

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