Judas im ETA Hoffmann Theater: Eine Verteidigungsrede gegen das vorschnelle Urteil


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Judas tritt aus dem Schatten der Anklage
Wer war Judas Ischariot wirklich: Verräter, Werkzeug eines göttlichen Plans oder ein Mensch, dem die Geschichte nie eine eigene Stimme zugestand? Walter Jens verschiebt in seiner pointierten Verteidigungsrede die Perspektive und lässt den Angeklagten selbst sprechen. Am 6. November 2026 wird daraus im Studio des ETA Hoffmann Theaters Bamberg ein konzentriertes Bühnenerlebnis mit Marek Egert.
Ein Monolog gegen das vorschnelle Urteil
Die Inszenierung stellt eine der prägendsten Figuren der christlich-abendländischen Überlieferung vor ein imaginäres Gericht. Judas verteidigt seine Entscheidungen mit Leidenschaft, theologischer Schärfe und schonungsloser Logik. Er hadert, zweifelt und hinterfragt die Rolle, die ihm die Heilsgeschichte zugeschrieben hat. Aus der bekannten Bibelerzählung entsteht ein intensiver Monolog über Schuld, Verantwortung und die Macht historischer Deutungen.
Walter Jens und die Dramaturgie der Gegenrede
Walter Jens formt mit seiner Verteidigungsrede ein sezierendes Stück Literaturtheater. Der Text nimmt den christlichen Märtyrer-Mythos auseinander, prangert jahrtausendealten christlichen Antisemitismus an und richtet den Blick auf die Mechanismen des Sündenbocks. Die Dramaturgie lebt von sprachlicher Präzision, gedanklicher Spannung und der stetigen Verschiebung moralischer Gewissheiten.
Schauspielkunst in konzentrierter Theateratmosphäre
Marek Egert übernimmt die Rolle des Judas und trägt den Abend als zentrale Bühnenfigur. Regisseur Tim Adam setzt auf Unmittelbarkeit und Greifbarkeit. Im Studio des ETA Hoffmann Theaters bestimmt die Präsenz des Schauspielers den Raum; Akustik, Lichtstimmung und Bühnenbild schaffen den konzentrierten Resonanzkörper für eine Rede, die das Publikum direkt trifft.
Eine Inszenierung über Ausgrenzung und Verantwortung
Besonders eindringlich wirkt das Plädoyer gegen das Abstempeln von Menschen oder Menschengruppen zu Sündenböcken. Judas erscheint nicht als eindimensionale Chiffre des Bösen, sondern als widersprüchlicher Mensch innerhalb einer übermächtigen Heilsgeschichte. Anaïs Buzduga verantwortet Bühne und Kostüm, Lea Mantel die Dramaturgie. Gemeinsam verdichten sie das Literaturtheater zu einem Abend, der religiöse Motivgeschichte mit gesellschaftlicher Reflexion verbindet.
Fazit: Bibellektüre auf Hochspannung
Judas – Die Verteidigungsrede des Judas Ischariot verspricht ein dichtes, herausforderndes Bühnenerlebnis in Bamberg. Marek Egerts Schauspielkunst, Tim Adams Regie und Walter Jens’ präziser Text führen mitten hinein in einen Konflikt, der religiöse Überlieferung und Gegenwart miteinander verschränkt. Wer Theater als Erkenntnisraum erleben möchte, sollte diese Aufführung live im Studio des ETA Hoffmann Theaters erleben.
Offizielle Kanäle von ETA Hoffmann Theater:
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