Andreas Herzau

Quelle: Wikipedia

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Andreas Herzau – Fotografie mit Haltung, Tiefenschärfe und humanem Blick
Ein Fotograf, der Wirklichkeit nicht nur abbildete, sondern befragte
Andreas Herzau (* 29. Mai 1962; † 6. Februar 2024) gehörte zu jenen deutschen Fotografen, deren Werk Dokumentation und Autorenschaft miteinander verschmilzt. Er arbeitete weltweit, lebte in Hamburg und verstand Fotografie als präzises, analytisches und zugleich erzählerisches Medium. Auf seiner eigenen Website wird er als Fotograf und Autor beschrieben, dessen Schwerpunkt auf dokumentarischer und journalistischer Fotografie lag. ([andreasherzau.de](https://www.andreasherzau.de/vita/))
Herzaus künstlerische Entwicklung begann nicht direkt in der Bildproduktion, sondern über den Weg von Typografie, Redaktion und Text. Diese Herkunft prägte seinen Blick: Er dachte in Reihen, in Motiven, in rhythmischen Bildfolgen und in publizistischen Zusammenhängen. Gerade daraus entstand eine Fotografie, die nicht bloß Szenen sammelte, sondern gesellschaftliche Strukturen sichtbar machte. ([andreasherzau.de](https://www.andreasherzau.de/vita/))
Biografische Wurzeln und der Weg zur Fotografie
Nach der Ausbildung zum Typografen in Tübingen von 1980 bis 1983 arbeitete Herzau als Schriftsetzer in Stuttgart. 1986 absolvierte er ein Volontariat bei der Hamburger Zeitschrift Konkret und wurde dort 1987 Redakteur; von 1988 bis 1990 arbeitete er als Redakteur bei der Hamburger Rundschau. Erst ab 1990 wandte er sich zunehmend der Fotografie zu und arbeitete als freier Autor für verschiedene Tageszeitungen, bevor die Kamera zum zentralen Instrument seines Ausdrucks wurde. ([andreasherzau.de](https://www.andreasherzau.de/vita/))
Diese journalistische Vorprägung blieb für sein gesamtes Werk entscheidend. Herzau bewegte sich nicht als distanzierter Bildlieferant durch die Welt, sondern als beobachtender Chronist mit redaktionellem Gespür. Er suchte nicht nach gefälligen Oberflächen, sondern nach sozialen Spannungen, historischen Brüchen und dem Moment, in dem sich ein Thema im Bild verdichtet. ([andreasherzau.de](https://www.andreasherzau.de/vita/))
Karriere, Netzwerke und professionelle Selbstbehauptung
1991 war Andreas Herzau Mitgründer der Fotoagentur Signum, 1995 gehörte er zu den über hundert Gründern des Berufsverbands Freelens, der die Arbeitsbedingungen von Fotografinnen und Fotografen stärken sollte. Seit 1999 war er Mitglied der Agentur laif und später Gründungs- und Vorstandsmitglied der 2023 gegründeten laif Genossenschaft. Diese Stationen zeigen einen Fotografen, der nicht nur individuell arbeitete, sondern die organisatorischen Grundlagen unabhängiger Bildproduktion aktiv mitgestaltete. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Herzau))
Auch in seiner öffentlichen Rolle trat Herzau als dozierender, vermittelnder und reflektierender Fotograf auf. Die Vita seiner Website nennt ihn als Gastdozenten und Gastprofessor an verschiedenen Institutionen; zudem arbeitete er als Schreiber über Fotografie. Damit stand er in jener seltenen Tradition von Bildautoren, die das Medium nicht nur praktizieren, sondern auch theoretisch und publizistisch begleiten. ([andreasherzau.de](https://www.andreasherzau.de/vita/))
Das Werk: Dokumentarfotografie, Essays und präzise Bildserien
Herzaus Arbeit konzentrierte sich auf Fotojournalismus und fotografische Essays. Seine Website betont, dass er stereotype Bildmuster befragte und in intensiven Bildern aufbrach; dabei verband er essayistisch-narrative mit analytisch-abstracten Elementen. Das Ergebnis waren dichte visuelle Geschichten, die er bevorzugt als Buchprojekte veröffentlichte. ([andreasherzau.de](https://www.andreasherzau.de/vita/))
Die Themen seiner Serien reichten von Migration und städtischen Räumen bis hin zu politischen und kulturellen Beobachtungen. Die Ausstellungsübersicht auf seiner Website zeigt eine Entwicklung von frühen Arbeiten wie Flucht – 50 Millionen Menschen ohne Heimat über NY 00/02, Deutschland.Deutschland. und Sputnik bis zu späteren Projekten wie #francke und AM. So entsteht das Porträt eines Fotografen, der gesellschaftliche Wirklichkeit über Jahre hinweg in wiedererkennbare, inhaltlich scharf konturierte Serien übersetzte. ([andreasherzau.de](https://www.andreasherzau.de/exhibitions/))
Diskographie in Buchform: die wichtigsten Publikationen und Projekte
Da Andreas Herzau Fotograf und nicht Musiker war, besteht seine „Diskographie“ im Sinne einer Werkchronik aus Fotobüchern und Bildprojekten. Besonders sichtbar wird dies in seinen internationalen und deutschsprachigen Serien: New York, Moscow | Moskau | Mockba Street, Helvetica und AM markieren zentrale Knotenpunkte seines Œuvres. Die Webseite und die Fachpresse zeigen, dass er Fotobücher als künstlerische Endform verstand, nicht als bloße Dokumentation. ([profifoto.de](https://www.profifoto.de/szene/ausstellungen/2017/03/27/andreas-herzau-helvetica/))
Auch die Zusammenarbeit mit den Bamberger Symphonikern gehört zu seinem späteren Werkkomplex: Dort entstand über mehrere Jahre ein fotografisches Langzeitprojekt, das auf Tourneen und im Orchesteralltag entstand und später in Publikationen und Ausstellungen weiterwirkte. Die Saisonbroschüre 2025/26 bezeichnet eines dieser Bilder als das letzte Orchesterfoto des Fotografen; damit erhält das Werk zusätzlich den Charakter eines künstlerischen Vermächtnisses. ([bamberger-symphoniker.de](https://www.bamberger-symphoniker.de/fileadmin/pdf/BS_Saisonbroschu__re_2025-2026_INTERNET_korrigiert.pdf?utm_source=openai))
Stil, Technik und künstlerische Handschrift
Ein prägendes Merkmal von Herzaus Stil war der bewusste Wechsel zwischen Farbe und Schwarzweiß. Die Bildsprache arbeitete mit feinen Unschärfen, klaren Kompositionen und einem Gespür für räumliche und soziale Konstellationen. Journal21 beschreibt, dass er Schwarzweiß- und Farbfotos mischte und die Entscheidung für die jeweilige Anmutung schon beim Aufnehmen mitdachte. ([journal21.ch](https://www.journal21.ch/artikel/andreas-herzau-untersuchungen-mit-der-kamera))
Diese kontrollierte Offenheit machte seine Arbeiten besonders stark. Herzau suchte nicht das laute Einzelbild, sondern die Spannung zwischen Nähe und Distanz, Beobachtung und Deutung. In der Serie Helvetica etwa reflektierte er die eigene Rolle als Fremder und spielte zugleich klug mit Klischees und Widersprüchen; ProfiFoto beschreibt die Arbeit als „fulminante Bildserie“ über die Schweiz und ihre Selbstbilder. ([profifoto.de](https://www.profifoto.de/szene/ausstellungen/2017/03/27/andreas-herzau-helvetica/))
Auszeichnungen, Resonanz und kulturelle Relevanz
Herzau wurde für seine Reportagen mehrfach ausgezeichnet. Zu den wichtigsten Preisen zählen der Euro Press Photo Award 1997 für Die Vertreibung aus dem Paradies, der Hansel-Mieth-Preis 1999 für Menschliche Überreste, 110 Kilogramm, ein weiterer Hansel-Mieth-Preis 2001, der Euro Press Photo Award 2002 für Die andere Stadt – New York nach dem 11. September, der PDN Award 2004 für das Buch Andreas Herzau – New York, der Deutsche Fotobuchpreis 2013 für Moscow Moskau Mockba Street und die Rückblende 2017 für die beste politische Fotografie des Jahres 2017. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Herzau))
Seine kulturelle Bedeutung liegt nicht nur in der Zahl der Ehrungen, sondern in seiner Haltung zur dokumentarischen Fotografie. Herzau gehörte laut seiner Website zu jenen engagierten Fotografen, die die Grenzen des klassischen Fotojournalismus auf unabhängige und oft überraschende Weise erweiterten. Genau darin liegt sein Nachhall: in der Verbindung aus Beobachtungsgabe, gesellschaftlichem Bewusstsein und einer Bildsprache, die nie dekorativ, sondern stets argumentierend wirkt. ([andreasherzau.de](https://www.andreasherzau.de/vita/))
Aktuelle Projekte, Nachlass und posthume Sichtbarkeit
Auch nach seinem Tod bleibt Andreas Herzau präsent. Die F.C. Gundlach Stiftung übernahm seinen Nachlass, und für 2026/2027 sind in Bamberg groß angelegte Ausstellungen zu seinem Werk angekündigt beziehungsweise dokumentiert. Eine Veranstaltungsseite kündigt Lichtakkord an, eine Ausstellung über die fotografische Begleitung der Bamberger Symphoniker; ein städtischer Förderhinweis nennt zudem eine Sonderausstellung mit dem Arbeitstitel Andreas Herzau: Die Bamberger Symphoniker. ([dfa.photography](https://dfa.photography/post/zum-tod-von-andreas-herzau))
Der Blick auf seinen Nachlass zeigt einen Fotografen, dessen Werk nicht abgeschlossen wirkt, sondern weiter gelesen wird. Gerade die Verbindung aus politischen Reportagen, europäischen Stadt- und Länderbildern sowie der langjährigen Musikbeobachtung schafft ein Œuvre mit bleibender Aktualität. Seine Bilder bleiben relevant, weil sie nicht nur Ereignisse zeigen, sondern Haltungen, Milieus und historische Atmosphären verdichten. ([dfa.photography](https://dfa.photography/post/zum-tod-von-andreas-herzau))
Fazit: Warum Andreas Herzau wichtig bleibt
Andreas Herzau war ein Fotograf der genau hinschaut, der gesellschaftliche Wirklichkeit nicht vereinfacht, sondern präzise ordnet. Seine Karriere verbindet Redaktion, Dokumentarfotografie, Buchkunst und institutionelles Engagement auf bemerkenswerte Weise. Wer seine Arbeiten betrachtet, begegnet einem klaren Blick auf Menschen, Räume und politische Kontexte – ruhig, analytisch und von großer Intensität. ([andreasherzau.de](https://www.andreasherzau.de/vita/))
Gerade deshalb lohnt es sich, seine Bücher, Ausstellungen und Serien neu zu entdecken. Andreas Herzaus Fotografie besitzt Substanz, Geduld und Rhythmus; sie erzählt von einer künstlerischen Entwicklung, die aus Beobachtung Haltung formte. Wer die Möglichkeit hat, sollte seine Arbeiten in Ausstellung oder Buchform erleben und diesen eigenständigen, humanen Bildautor live und im Rückblick neu lesen. ([andreasherzau.de](https://www.andreasherzau.de/exhibitions/))
Offizielle Kanäle von Andreas Herzau:
- Instagram: https://instagram.com/andreasherzau/
- Facebook: https://www.facebook.com/Andreas-Herzau-at-work-296966596997919/
- YouTube: Kein offizielles Profil gefunden
- Spotify: Kein offizielles Profil gefunden
- TikTok: Kein offizielles Profil gefunden
- Twitter/X: https://twitter.com/AndreasHerzau
Quellen:
- Andreas Herzau Photography – Offizielle Website
- Andreas Herzau Photography – Vita
- Andreas Herzau Photography – Ausstellungen
- Andreas Herzau Photography – Blog/Über das Blog
- Wikipedia – Andreas Herzau
- LFI – Obituary: Andreas Herzau
- Deutsche Fotografische Akademie – On the death of Andreas Herzau
- ProfiFoto – Andreas Herzau: Helvetica
- Journal21 – Untersuchungen mit der Kamera
- Bamberg Tourismus – Ausstellung „Lichtakkord“
- Wikipedia: Bild- und Textquelle
