Molière: Tartüff im E.T.A.-Hoffmann-Theater – Komödienkunst trifft Gegenwart


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Heuchelei mit Hochspannung: Tartüff entlarvt die feinen Masken unserer Zeit
Am 10. April 2026 trifft Molières scharfsinnige Gesellschaftskomödie auf ein zeitgenössisches Bühnenerlebnis: Im E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg zeichnet Regisseurin Cilli Drexel das Psychogramm eines Haushalts im Ausnahmezustand – präzise, pointiert, lustvoll. Zwischen Wohlstandspanik, Machtspielen und Verführung entfaltet sich eine Theateratmosphäre, die die Publikumsreaktion zuverlässig zwischen Lachen und Beklemmung pendeln lässt.
Inszenierung mit Biss: Wenn Moral zur Maske wird
Die Dramaturgie fokussiert die Scheinheiligkeit als soziale Technik. Tartüff predigt Askese, während er sein Umfeld aushebelt – ein Mechanismus, der in der Regiearbeit als heutige Rhetorik des Verzichts lesbar wird. In schnellen Szenenwechseln prallen Figureninteressen aufeinander, Wortwitz trifft auf doppelten Boden: Komödie als Skalpell.
Bühnenbild und Licht: Kühle Eleganz, heiße Konflikte
Anna Brandstätters Ausstattung schichtet Räume wie Argumente: transparente Ebenen, verschiebbare Achsen, ein Interieur zwischen Beichtstuhl und Showroom. Lichtinseln schneiden Silhouetten scharf, die Akustik legt jedes Räuspern frei – Intimität wird zum Schauplatz der Verstellung.
Schauspielkunst im Nahkontakt
Das Ensemble um Barbara Wurster, Alina Rank, Leon Tölle, Esther Hilsemer, Stefan Willi Wang und Marek Egert verdichtet Molières präzise Figurenzeichnungen zu heute lesbaren Typen. Pointierte Pausen, messerscharfe Repliken, kontrollierte Eskalationen: Komödienrhythmus mit Charaktertiefe.
Dramaturgische Verortung: Von der Uraufführung zum Jetzt
Seit der Pariser Uraufführung 1664 provoziert Tartüff Debatten über Bigotterie, Macht und Begehren. Aktuelle Lesarten betonen den moralpolitischen Spin: Wie legitimiert sich Autorität, wer profitiert vom Verzicht der anderen? Die Bamberger Produktion legt diese Fragen offen – mit Humor als Wahrheitsprobe.
Fazit
Erwarten Sie einen Abend, der Molières Funkenflug mit heutiger Präzision verbindet: kluge Regie, sprechende Räume, ein Ensemble mit Drive. Ein beherzter Appell, das Live-Erlebnis zu suchen – weil Bühne hier Denken in Bewegung setzt.
Offizielle Kanäle von E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg:
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