Judas im ETA Hoffmann Theater: Eine Verteidigungsrede gegen das Vergessen


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Judas stellt die Anklage auf den Kopf
Ein Mann tritt aus dem Schatten der christlichen Überlieferung und verlangt Gehör: Judas Ischariot, der berühmteste Verräter der abendländischen Kultur, erhält in Walter Jens’ pointierter Verteidigungsrede eine eigene Stimme. Am Samstag, 31. Oktober 2026, verwandelt sich das Studio des ETA Hoffmann Theaters Bamberg in einen konzentrierten Denk- und Resonanzraum für eine der widersprüchlichsten Figuren der Bibelgeschichte.
Ein Monolog zwischen Schuld und göttlichem Plan
Die Inszenierung von Tim Adam setzt bei der entscheidenden dramatischen Verschiebung an: Nicht die Anklage spricht, sondern der Angeklagte selbst. Judas verteidigt seine Entscheidungen mit Leidenschaft und theologischer Schärfe, zweifelt, hadert und zwingt das Publikum dazu, vertraute moralische Gewissheiten neu zu betrachten. Aus dem scheinbar eindeutigen Verrat entsteht ein widersprüchliches Porträt eines Menschen, dessen Rolle im christlichen Märtyrer-Mythos unauflöslich mit der Geschichte Jesu verbunden bleibt.
Bibellektüre als hochspannende Bühnenkunst
Walter Jens’ Text verbindet literarische Präzision mit einer schonungslosen Dramaturgie. Die Rede seziert überlieferte Schuldzuweisungen und prangert den jahrtausendealten christlichen Antisemitismus an. Im Zentrum steht ein Plädoyer gegen das Abstempeln von Menschen oder Gruppen zu Sündenböcken. Die Inszenierung gewinnt daraus eine politische und gesellschaftliche Aktualität, ohne die religiöse Dimension aus dem Blick zu verlieren.
Eine konzentrierte Inszenierung im Studio
Regisseur Tim Adam und Schauspieler Marek Egert arbeiten nach ihrer gemeinsamen Produktion Die Welt im Rücken erneut zusammen. Ihre Theaterarbeit verspricht ein unmittelbares Bühnenerlebnis, in dem Schauspielkunst, Sprache und Präsenz den Abend tragen. Bühne und Kostüm von Anais Buzduga sowie die Dramaturgie von Lea Mantel rahmen den Monolog zu einem intensiven Theaterabend zwischen Verhör, Selbstbefragung und innerem Tribunal.
Ein Abend für neugierige Theaterbesucher
Die Theateratmosphäre im Studio schafft Nähe und lässt jedes Zögern, jeden Angriff und jeden Zweifel des Judas unmittelbar wirken. Das Publikum erlebt keine nacherzählte Bibelgeschichte, sondern eine gedanklich zugespitzte Inszenierung über Verantwortung, Vorurteil und die Macht von Erzählungen. Die Publikumsreaktion beginnt dabei nicht erst am Schlussapplaus: Dieses Stück arbeitet im Kopf weiter.
Fazit: Judas – Die Verteidigungsrede des Judas Ischariot verbindet literarische Bühnenkunst mit religiöser, historischer und gesellschaftlicher Reflexion. Marek Egert gibt dem vermeintlichen Verräter eine eindringliche Stimme, während Tim Adams Regie den Abend auf Hochspannung hält. Wer Theater als Ort des Denkens und der unmittelbaren Begegnung erlebt, sollte diese Aufführung live im ETA Hoffmann Theater Bamberg sehen.
Offizielle Kanäle von ETA Hoffmann Theater Bamberg:
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